Internet-Surfen im Zug: Es sieht nicht gut aus
Das Internetportal Teltarif testete auf mobiles Surfen im ICE auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover und erlebte dabei eine Überraschung: Während die Netze der Telekom und von Vodafone sonst bei Tests glänzen, machten sie beim Surfen im Zug keine gute Figur. E-Plus hingegen, sonst vielgescholten und auf dem letzten Platz, hielt sich recht wacker. Telefónica (O2) rangierte im Mittelfeld.
Insgesamt offenbarte der Teltarif-Test jedoch, dass das Surfen im Zug gerade auf vielbefahrenen und schnellen Strecken schwieriger geworden ist und meist eher einem Glücksspiel ähnelt.
Stichprobe zwischen Berlin und Hannover
Teltarif veranstaltete keinen deutschlandweiten Test mit kompliziertem Aufbau und Anspruch auf statistische Stichhaltigkeit. Vielmehr war es das Ziel, Erfahrungen als Nutzer nachzuempfinden. Also begaben sich die Tester auf eine Fahrt von Berlin nach Hannover, einer der schnellsten ICE-Strecken Deutschlands, auf der die meisten und längsten ICE-Züge verkehren. Insgesamt fuhren sie zweimal: Am Freitagnachmittag und am Sonntagabend, beides stark frequentierte Zeiten. Generell enttäuschten die Datenraten und die Antwortzeiten der Server (Ping) maßen teilweise mehrere Sekunden. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten kam es häufig zu Verbindungsabbrüchen und Totalausfällen. Besonders die Telekom – sonst immer ganz vorne mit dabei beim mobilen Surfen – konnte die Tester nicht überzeugen. Zeitweise wurden gar keine Daten übertragen, dann wieder nur wenig Verwertbares. Nur auf langsamerem Streckenabschnitten konnte man ordentlich surfen.
E-Plus überraschend Matchwinner
Bei O2 und Vodafone kam Teltarif zu ähnlichen Ergebnissen, hier war das Surferlebnis aber durchwachsen. So hing es bei O2 vom Tag ab: Am Sonntag ging das Surfen besser von der Hand. Bei Vodafone war das Surfen mit EDGE annehmbar, in Gebieten, in denen nur GPRS zur Verfügung stand hingegen, war an Surfen kaum zu denken. Bei E-Plus wurde die Geschwindigkeit langsamer, wenn der Zug schneller wurde, aber Verbindungsabbrüche und Fehlermeldungen waren weitaus seltener als bei den anderen Netzbetreibern. Getrübt wurde der positive Gesamteindruck von den recht häufigen Streckenabschnitten, in denen nur GPRS zur Verfügung stand.
Nutzer oder Physik – wer ist schuld?
Auf Anfrage von Teltarif nannten die Netzbetreiber per Ferndiagnose einige Gründe, die wohl alle einen Teil des Problems erklären dürften. Gerade bei EDGE sieht die Telekom das Problem im häufigen Funkzellenwechsel bei hoher Geschwindigkeit. Verlässt man eine Funkzelle, muss man per „handover“ zur nächsten weitergereicht werden. Dabei hält die Verbindung kurz an, um sich neu aufzubauen. Dies verlangsamt das Surfen oder führt gar zu Abbrüchen. Außerdem verzerrt der Dopplereffekt die Funkwellen je nach Position des Funkmastes, so dass es zu Fehlern bei der Übertragung kommt und zu Datenverlust. Während die Telekom die steigende Zahl an Nutzern und deren gewachsenen Datenhunger nicht für die Ursache von sinkenden Datenraten und größeren Problemen beim Surfen im Zug hält, ist dies laut E-Plus sehr wohl ein Problem. Dafür sieht man bei E-Plus im permanenten Handover keine großen Schwierigkeiten. Bei Telefónica (O2) hält man beides für problematisch: Nutzerverhalten wie physikalische Ursachen. Eine Ursache sieht O2 vor allem in der Erwartungshaltung der Kunden: Während an vielen anderen Orten die Datenraten und die Stabilität der Verbindungen stark gestiegen sind, hinken Züge noch hinterher.
Diese Tricks helfen beim Surfen im Zug
Um im Zug einigermaßen sinnvoll auf da Internet zugreifen zu können, sollte man ein paar Tipps beherzigen. Zuerst setzen Sie sich am besten in einen Waggon mit Handyrepeater. Diese Geräte verstärken die Funksignale, die durch das Metall der Wagen abgeschirmt werden. Entsprechende Abteile sind mit einem Piktogramm gekennzeichnet, das ein Handy zeigt. Bei Reservierungen für ICEs können solche Plätze meist direkt gebucht werden. In Regionalzügen oder Intercity-Zügen fehlen Repeater allerdings ganz. Da die Repeater nur das GSM-Netz unterstützen, sollte man UMTS im Verbindungsmanager direkt ausschalten. Auf langen Strecken stehen meist sowieso nur GPRS oder EDGE zur Verfügung. Versucht sich der Stick in UMTS-Netze einzuwählen, kann dies zu Verbindungsabbrüchen führen. Besser verzichten Sie gleich ganz darauf und surfen lieber mit einer stabilen EDGE-Verbindung. Wer das nötige Kleingeld oder einen entsprechenden Telekom-Vertrag hat, nutzt in einigen ICE-Zügen WLAN-Hotspots, die bessere Verbindungen bieten. Ist dies nicht in einem Telekom-Vertrag enthalten, muss man sich direkt im Zug anmelden und zahlt für die genutzte Zeit.
Ausbau tut not
Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, so dass auch in Zukunft Zugreisende nur mit Einschränkungen online sein werden. Wer gar nicht darauf verzichten kann, wie zum Beispiel Geschäftsreisende, muss versuchen, mit oben genannten Tipps das Beste aus der Situation zu machen. Laut den Eindrücken und Erfahrungen von Teltarif sind die Netzbetreiber in der Bringschuld, mit dem gesteigerten Bedarf Schritt zu halten, denn laut der Teltarif-Redation war das Surfen mit EDGE noch vor einem Jahr besser möglich. Da sich die Naturgesetze seitdem nicht verändert haben, liegen die Ursachen für die schlechteren Datenraten wohl weniger in der Phsyik, sondern im gestiegenen Datenaufkommen in deutschen Funknetzen.
Autor: JG







